Zum Hauptinhalt springen

Wärme, Wasser, Hygiene: Lebensmittelindustrie erfolgreich dekarbonisieren

Ein Lebensmittelverarbeitungsbetrieb in Süddeutschland steht vor der Herausforderung, seine fossile Dampferzeugung durch ein nachhaltiges Wärmekonzept zu ersetzen und gleichzeitig höchste Anforderungen an Hygiene und Produktionssicherheit einzuhalten. Klingt nach einer Speziallösung, ist aber ein verbreitetes Szenario in der Lebensmittelindustrie. Kaum ein anderer Sektor stellt so hohe Anforderungen an Wärme, Wasser und Sauberkeit – und bietet zugleich so viele Potenziale für eine erfolgreiche Dekarbonisierung. In diesem Beitrag zeigen wir, wie hygienisch sichere, regenerative Wärmelösungen für Lebensmittelbetriebe geplant werden – aus technischer wie auch strategischer Sicht. 

Prozesswärme in der Lebensmittelbranche: Anforderungen und Potenziale

In der Lebensmittelindustrie gelten strenge Anforderungen an Trinkwasserhygiene, Desinfektion und thermische Prozesse, beispielsweise nach DIN EN 1672-2 (Hygieneanforderungen an Nahrungsmittelmaschinen) sowie HACCP-Richtlinien (Hygiene-Management samt Risiko- und Gefahrenanalyse).
Gleichzeitig gibt es einen Bedarf an Prozesswärme auf unterschiedlichen Temperaturniveaus – von 40 °C zum Reinigen bis 95 °C für Pasteurisierungs- oder Kochprozesse.
Betrachtet man den Gesamtenergiebedarf der Branche, entfallen bis zu 70 % des Verbrauchs auf Wärme – vor allem in Form von Heißwasser oder Dampf Und hier liegt ein zentraler Hebel für die industriellen Wärmewende.
Damit Unternehmen nicht nur wirtschaftlich, sondern auch klimaneutral produzieren können, stehen auch Fördermittel wie BEW oder EEW zur Verfügung und bieten konkrete und realistische Chancen für Investitionen.

Regenerative Wärmequellen für hygienisch sensible Anwendungen

Ein häufiger Irrtum: Hygienisch anspruchsvolle Anwendungen seien nur mit fossiler Energie möglich. In der Praxis lässt sich die nötige Prozesswärme auch mit erneuerbaren Systemen erzeugen – etwa durch:

  • Wärmepumpen, gespeist aus Grundwasser, Abwärme oder solarthermischen Quellen
  • Solarthermieanlagen, insbesondere mit Vakuumröhrenkollektoren für höhere Temperaturen
  • Abwärmenutzung aus Kälteanlagen oder anderen industriellen Prozessen
  • Pufferspeicherlösungen zur Deckung von Lastspitzen und hygienischer Trinkwasserbereitung

Gerade oberflächennahe Geothermie kombiniert mit Großwärmepumpen eignet sich ideal als Grundlastquelle – auch für kleinere bis mittlere Betriebe. Entscheidend ist dabei die intelligente Einbindung in ein Netzsystem, das hygienische Anforderungen erfüllt.

Planung hygienischer Warmwassersysteme im Wärmenetz

Eine der größten Herausforderungen in lebensmittelverarbeitenden Betrieben ist die sichere Bereitstellung von Warmwasser in hygienisch einwandfreier Qualität – etwa für:

  • Spül- und Reinigungsprozesse (CIP/SIP)
  • Produktkontaktwasser (z. B. für Getränke)
  • Hände- und Flächendesinfektion
  • Sanitärbereiche für Personal

Hier gelten klare technische Regeln, z. B. aus DVGW W551 zur Legionellenprävention. Die dezentrale oder zentrale Speicherung, die Vermeidung von Totleitungen, die Wahl der richtigen Speichertechnik (z. B. Durchlauferhitzer vs. Pufferspeicher) – all das muss frühzeitig in die Planung einbezogen werden, insbesondere bei der Kombination mit regenerativen Erzeugern.

Ein Wärmenetz, das auch Trinkwarmwasser zur Verfügung stellt, muss temperaturstabil (bei 55 °C), ausfallsicher und hygienisch einwandfrei betrieben werden. Hier sind Boosterwärmepumpen, hydraulische Konzepte, Speicheranordnung und Regelungstechnik entscheidende Faktoren.

Energiezentralen für Industrieareale: Was zu beachten ist

Ob einzelner Betrieb oder gemeinsames Areal: Die Energiezentrale ist das Herzstück einer regenerativen Wärmeversorgung. Besonders in Gewerbe- oder Industriegebieten mit mehreren Betrieben lohnt sich ein zentraler Ansatz – z. B. im Rahmen eines Nahwärmenetzes.

Wichtige Punkte bei der Planung:

  • Modularität: Kombination von Grund- und Spitzenlast (z. B. WP + Biogas als Redundanz)
  • Erzeugermix: zukunftsfähige Kombination aus Wärmepumpe, Solarthermie, ggf. Biomasse
  • Integration von Hygienetechnik: z. B. UV-Desinfektion, Frischwasserstationen
  • Monitoring & Steuerung: digitale Überwachung der Hygieneparameter und Effizienz
  • Förderfähigkeit: z. B. im Rahmen von BEW M1-M3 – inklusive Machbarkeitsstudien, Investitionskostenförderung oder Förderung von Einzelmaßnahmen

goodmen energy hat bereits mehrere Projekte im Bereich industrieller Wärmekonzepte geplant – sowohl zur Dekarbonisierung von Produktionsprozessen als auch hinsichtlich der Arealerschließungen. Unsere Erfahrung zeigt: Wenn Energiezentrale und Nutzeranforderungen sauber aufeinander abgestimmt werden, lassen sich wirtschaftliche und hygienische Ziele gleichzeitig erreichen.
Referenz ansehen

Fazit: Wärmewende in der Lebensmittelbranche braucht gute Planung

Die Dekarbonisierung der Lebensmittelindustrie ist machbar – wenn hygienische Anforderungen, Versorgungssicherheit und Temperaturniveaus frühzeitig in die Planung einbezogen werden. Gute Konzepte setzen auf regenerative Grundlast, intelligente Speicherstrategien und hygienisch sichere Systemarchitektur.
Mit technischer Expertise, einem Verständnis für die branchenspezifischen Anforderungen und förderfähigen Konzepten unterstützt goodmen energy Industriepartner dabei, Wärmewendeprojekte in der Lebensmittelbranche zukunftssicher umzusetzen.