GEG-Reform 2026: Welche Rolle spielen Solarthermie und PVT künftig im Gebäudesektor?
GEG-Reform: Günstigere Investition, längerer Weg zur Klimaneutralität
Die Kernpunkte auf einen Blick: Welche Rolle spielen Solarthermie und PVT nach der GEG-Reform?
- Geringerer Capex, höheres Opex-Risiko: Kleinere Kollektorflächen reichen künftig für den gesetzeskonformen Einbau neuer Gasheizungen aus. Dies senkt zwar die Anfangsinvestition, verlagert die finanzielle Last durch steigende CO₂-Preise und die gesetzliche „Biotreppe“ jedoch voll auf die Betriebsphase.
- Problemfaktor Aperturfläche: Die im Gesetz gewählte Referenzgröße berücksichtigt nicht die tatsächlich nutzbare Wärmeenergie. Ungedämmte PVT-Kollektoren liefern Niedertemperaturwärme (10–15 Kelvin über Umgebung), die sich primär als Wärmepumpenquelle eignet, nicht aber für den direkten Heizbetrieb.
- Wirtschaftlicher Doppelnutzen von PVT: PVT-Kollektoren erzeugen gleichzeitig Strom und fast ganzjährig Quellenergie für Wärmepumpen. Durch die integrierte Wasserkühlung der Module sinkt deren Temperatur, was den jährlichen Stromertrag um 5 bis 10 Prozent steigert.
- Enormes Potenzial in Multiquellensystemen: Als alleinige Quelle im Winter oft gefordert, liegt die größte Stärke von PVT-Systemen in der Regeneration von Erdwärmesonden oder Eisspeichern. Dies verkleinert Sondenfelder, spart teure Bohrmeter und macht Projekte auf knappen Flächen wirtschaftlich realisierbar.
Der im Kabinett verabschiedete Gesetzentwurf macht Solarthermie und PVT investitionsseitig attraktiver, denn künftig reichen deutlich kleinere Kollektorflächen aus, um eine neue Gasheizung gesetzeskonform zu installieren. Während dies die Investitionskosten zunächst reduziert, verschiebt sich die finanzielle Last auf die Betriebsphase: steigende CO₂-Preise, höhere Netzentgelte und die geforderte Biotreppe – eine schrittweise Erhöhung des erneuerbaren Gasanteils bis auf 60 Prozent im Jahr 2040 – treiben die langfristigen Kosten in die Höhe. Die Betriebskosten können so allerdings oftmals nicht mehr wesentlich gegenüber einem rein fossil betriebenen System gesenkt werden.
Problematisch ist die im Gesetzentwurf gewählte Referenzgröße: Die Aperturfläche des Kollektors sagt wenig über die tatsächlich nutzbare Wärmeenergie aus. Bei ungedämmten PVT-Kollektoren liegt das Temperaturniveau maximal 10-15 Kelvin über der Umgebungstemperatur – diese Niedertemperaturwärme eignet sich primär als Quelle für Wärmepumpen oder zur Regeneration von Erdwärmesonden, nicht direkt für die Heizung. Wird die Heizung mit fossilem Gas betrieben, bliebe die Heizwärme auch mit PVT im Extremfall vollständig fossil.
Aperturfläche (von lateinisch apertura = Öffnung) bezeichnet bei Solarkollektoren die transparente Eintrittsfläche, durch die Sonnenstrahlung in den Kollektor gelangt. Sie ist kleiner als die Gesamtfläche des Kollektors, da Rahmen und Randverbund nicht mitgezählt werden. Die Aperturfläche dient als Referenzgröße für Leistungsangaben und gesetzliche Anforderungen – beschreibt aber nur die geometrische Öffnung, nicht die tatsächlich nutzbare Wärmeenergie. Unterschiedliche Kollektorbauarten (gedämmt/ungedämmt, Flach-/Röhrenkollektor) können bei gleicher Aperturfläche sehr unterschiedliche Wärmeerträge liefern.

Statik, Fläche, Ausrichtung: Diese Voraussetzungen müssen Gebäude mitbringen
Grundsätzlich eignen sich alle Gebäude mit ausreichend großen, sonnenbeschienenen Dach- oder Fassadenflächen. Die Flächen sollten zusammenhängend und groß genug für die typischen Modulgrößen von rund zwei Quadratmetern sein. Randabstände und Platz für die Wartung müssen eingeplant werden. Vor jeder Installation ist zwingend die Statik zu prüfen, da die Anlagen zusätzliche Wind- oder Schneelasten verursachen. Bei alten Dächern gilt: erst sanieren.

Wirtschaftlichkeit: Wann sich die Investition rechnet
Solarthermie-Anlagen decken typischerweise 15 bis 35 Prozent des Heizbedarfs. Da sie sehr langlebig und wartungsarm sind, entsprechen die Kosteneinsparungen in etwa diesem Anteil – die solar erzeugte Wärme ist im Betrieb nahezu kostenlos.
PVT-Kollektoren liefern fast ganzjährig Quellenergie für Wärmepumpen und erzeugen gleichzeitig Strom, der direkt für die Wärmepumpe genutzt werden kann. In Kombination mit einem Speicher oder einer Erdwärmesonde entsteht ein effizientes System, das größere Unabhängigkeit von den volatilen Strom- und Wärmemärkten bietet.
Vier überzeugende Vorteile von Solarthermie und PVT-Systemen
Geräuschloser Betrieb ohne Außeneinheit: PVT-Systeme benötigen kein lautes Außengerät im Garten und eignen sich ideal für eng bebaute Wohngebiete mit strengen Lärmschutzauflagen.
Höhere Stromerträge durch Kühlung: Die rückseitige Wasserkühlung senkt die Modultemperatur um 10 bis 20 Grad, steigert die elektrische Effizienz und bringt jährlich 5 bis 10 Prozent mehr Strom.
Sinnvolle Kopplung mit Fernwärme: Die Kollektoren decken die Warmwasser-Basislast und die Heizung in der Übergangszeit und im Sommer ab. Das spart dann teure netzgebundene Spitzenlasttarife.
Einnahmen durch Nahwärmenetze: Überschüssige Wärme lässt sich flexibel in moderne Niedertemperaturnetze einspeisen. Über Prosumer-Verträge wird das eigene Dach zur Einnahmequelle.
Multiquellensysteme: Das größte Potenzial liegt in der Kombination
Solarthermie bleibt in unseren Breitengraden eine Ergänzung, um fossile Heizungen oder Biomasseanlagen kostengünstig zu dekarbonisieren – sie kann aber nicht ganzjährig die alleinige Wärmeversorgung übernehmen.
Bei PVT-Systemen als alleinige Wärmepumpen-Quelle wird die Praxis zeigen, wie effizient sie an kalten Frosttagen arbeiten. Ein enormes Potenzial sieht Dr. Koch für PVT-Kollektoren als Regenerationsquelle für Erdwärmesonden oder Eisspeicher: So lassen sich Sondenfelder deutlich kleiner dimensionieren, was teure Bohrmeter spart und Projekte bei knappen Flächen überhaupt erst ermöglicht. Solche Multiquellensysteme bleiben jedoch eher eine Lösung für größere Gebäude oder Wärmenetze.
Quellenverzeichnis:
VDI Wissensforum (2026): Interview mit Dr. Lotta Koch, Standortleiterin goodmen energy Düsseldorf, zum Thema „Die Kraft der Sonne: Solarthermie & PVT", Mai 2026
https://www.vdi-wissensforum.de/wissen/die-kraft-der-sonne-solarthermie-pvt/ (🔗 externer Link)

