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Dynamische Simulation von Energiequellen

Beim Gespräch über innovative Automobil-Technologien sagte jüngst ein geschätzter Kollege beim Mittagessen: „Weißt Du, ich komme noch aus dem Zeitalter der Leistung. Heute leben wir im Zeitalter der Effizienz!“. Der Satz blieb hängen und verdeutlicht sehr gut, was sich in der Herangehensweise bei der Planung zeitgemäßer Energieversorgung verändert hat:

Effizienz sticht Leistung

Denn auch heute wird bei der Planung der Energieversorgung immer noch vorwiegend von Leistung gesprochen. „100 kW von X und nochmal 60 kW von Y…“ . Dabei werden Energiemengen und Temperaturniveaus oft ignoriert. Das Zusammenspiel von Leistung, Energie und Temperatur lässt sich gut anhand eines Dialogs erläutern, den ich regelmäßig auf Baustellen führen musste:

Er: „Also wieviel Leistung kommt da jetzt so raus, aus dieser Erdwärmesonde?“
Ich: „Naja, soviel Sie wollen!“
Er: „Aha….“
Ich: „Ja, aber halt nicht sehr lange!“...

Früher…

… war es tatsächlich einfacher: Der Kunde will ein Haus, der Architekt plant dieses Haus, baut es… und gegen Ende dann die Frage nach der Heizung. Also: Heizlast geschätzt, gescheiten Sicherheitsaufschlag und Zack-Bumm Öl- oder Gaskessel rein. Wie? Es wird nicht warm? Dann einfach mal die Kessel-Temperatur raufgeschraubt bis man auf den Heizkörpern Spiegeleier braten kann. Wer erinnert sich?

Und jetzt stehen wir da in unserer schönen neuen Welt: Wärmeschutzdämmung, Wärmepumpe, Niedertemperaturheizsystem, Anergiequelle, Pufferspeicher. Und die Erkenntnis: Alles beeinflusst alles!

 

Denn die Energie, die Sie beispielsweise aus der Erdwärmesonde ziehen, beeinflusst die Temperatur im Boden. Diese Temperatur bestimmt wiederum die Effizienz der Wärmepumpe, welche ihrerseits wiederum den Wärmeentzug aus der Erdsonde bestimmt. Ähnliche dynamische Effekte treten z.B. zwischen Erdkollektoren und Solarthermie, zwischen Eisspeichern und PVT-Kollektoren oder zwischen Gebäudekapazität und Sonneneinstrahlung auf.

Alles eine Frage der richtigen Balance

Klingt kompliziert? Ist es aber nicht! Wir haben heute potente mathematische Modelle und Planungssoftware, welche all diese Vorgänge abbilden kann. Energieversorgung im Jahr 2021 wird ganzheitlich gedacht und dementsprechend auch dynamisch (das heißt zeitlich ausgelöst) gerechnet und geplant. Das muss man wissen und einplanen.

Ganzheitliche Planung beginnt am Tag 1

Deshalb der Appell: Denken Sie von Anfang an die Energieversorgung mit! Jeder Standort ist anders. Und erschrecken Sie nicht, wenn wir Planer in der frühen Phase schon Planungsleistung anbieten wollen. Denn in der frühen Planungsphase ist noch alles drin. Im Idealfall ergibt sich ein harmonisch abgestimmtes Miteinander von Architektur, Energieversorgung, Nutzungsverhalten, Komfort, Ökologie, Ökonomie.