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Kommunaler Klimaschutz: Was können Kommunen tun, um CO2 einzusparen?

74 Städte in Deutschland haben bereits den Klimanotstand ausgerufen. Sie haben erkannt, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, den rasch voranschreitenden Klimawandel und die daraus resultierenden Risiken einzudämmen. Daher haben sie Klimaschutzmaßnahmen sowie Maßnahmen zur Minderung von Treibhausgasemissionen höchste Priorität eingeräumt.
Wir zeigen auf, was Kommunen besonders in Bezug auf die Wärmewende tun können.

Denn der Klimawandel stellt viele Kommunen vor große Herausforderungen, wie wir nicht erst seit den verheerenden Überschwemmungen im Ahrtal wissen. Ignorieren sie diese Herausforderungen, kommt das die Gesellschaft unter Umständen teuer zu stehen: Allein die Schäden der Ahrtal-Katastrophe kosten jeden einzelnen Steuerzahler in Deutschland 360 Euro.[1] Und laut Umweltbundesamt haben allein die deutschen Treibhausgas-Emissionen im Jahr 2019 Umweltkosten in Höhe von mindestens 156 Milliarden Euro verursacht (Umweltbundesamt 2022). Mittel- bis langfristig sind Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen daher um ein Vielfaches günstiger als die Kosten für die Folgen eines ungebremsten Klimawandels.

 


[1] https://www.fr.de/wirtschaft/klimawandel-kosten-schaeden-ahrtal-versicherungen-steuern-umwelt-oekonomie-studie-deutschland-zr-92191904.html

Kommunaler Klimaschutz im Wärmesektor

Im Wärmesektor ist Klimaschutz eine besondere Herausforderung. Etwa 80 % des Energieverbrauchs im Eigenheim gehen für Heizung und Warmwasseraufbereitung drauf, der Großteil wird noch immer durch fossile Brennstoffe erzeugt. „Deshalb ist der Ausstoß von Klimagasen beträchtlich. Der Wärmemarkt (Raumwärme, Warmwasser, Prozesswärme) hat einen Anteil von rund 40 % an den energiebedingten CO2-Emissionen“[2] in Deutschland.
Kommunen stehen daher vor der Herausforderung, den CO2-Ausstoß im Bereich der Wärmeversorgung zu reduzieren. Dazu können sie selbst Wärmenetze aufbauen, die mit erneuerbaren Energien oder von Abwärme aus industriellen Prozessen betrieben werden – oder optimalerweise durch eine Kombination aus verschiedenen Quellen, der sogenannten Sektorenkopplung.

 


[2] https://www.waermewende.de/waermewende/eigentuemerinnen-mieterinnen/klimaschutz/

Kommunen können zum Beispiel...
  • Solarthermieanlagen oder Photovoltaikthermie-Kollektoren auf öffentlichen Gebäuden installieren und diese Wärme an die umliegenden Wohngebäude liefern. Auch die Nutzung von Biomasse-Wärme kann eine gute Lösung sein, da hierbei die Abwärme von Gewerbetreibenden oder landwirtschaftlichen Betrieben verwertet wird.
  • Geothermie nutzen, um Gebäude zu beheizen und zu kühlen. Erdwärmepumpen erhöhen dabei das Temperaturniveau, um im Gebäude Warmwasser und (Fußboden-) Heizung zu erhalten. Dies kann zentral oder in jedem einzelnen Gebäude erfolgen. Idealerweise kommt der Strom für die Wärmepumpe dabei von PV-Kollektoren auf den Dächern. Kommunen können beispielsweise bei Neubauprojekten entsprechende Geothermie-Felder mit ausweisen.
  • Dasselbe Prinzip gilt auch für die Energie aus Wasser: Aquathermie bedient sich der Wärmeenergie des Wassers, um Gebäude zu beheizen und zu kühlen. Hierbei erwärmt das Grundwasser, Wasser aus Flüssen, Seen oder dem Meer ein Trägermedium. Durch Wärmepumpen wird dieses auf die benötigte Temperatur erhitzt und kann so öffentliche Gebäude oder Quartiere im Winter heizen und im Sommer kühlen.
  • Abwasser ist ebenfalls ein wichtiger Faktor bei der Wärmewende. Hierüber lassen sich 10 bis 15% des Wärmebedarfs in Gebäuden in Deutschland decken[3]. (siehe hierzu Blogbeitrag "Aquathermie aus Abwasser")
  • Auch Abwärme aus industriellen Prozessen sollten Kommunen bei der Entwicklung neuer oder der Transformation bestehender Wärmenetze durch Einkopplung in Betracht ziehen – besonders, wenn ein Industriegebiet mit größeren produzierenden Firmen ansässig ist. Aber auch der lokale Supermarkt kann seine Kühlungsabwärme in das Netz einspeisen, wenn er diese nicht selbst zum Heizen verwendet. Die Abwärme kann ebenfalls direkt in Wohn- und öffentliche Gebäude eingespeist werden.

Alle Technologien tragen dazu bei, den Energieverbrauch von Gebäuden zu reduzieren und so den CO2-Ausstoß zu verringern. Mit dem Aufbau oder der Transformation von Wärmenetzen, der Nutzung von erneuerbaren Energien und der Förderung von Sanierungsmaßnahmen können Kommunen somit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

 


[3] https://www.waermepumpe.de/uploads/tx_bcpageflip/Ratgeber-Abwasser_WEB.pdf

Förderung nach BEW

Die Umrüstung und der Neubau von Wärmenetzen mit hohen Anteilen an erneuerbaren Energien werden durch die Bundesregierung gefördert. So erhalten Kommunen zusätzliche Anreize, zu investieren und bestehende Netze zu dekarbonisieren. Die Förderung verfolgt dabei einen systemischen Ansatz, der das Wärmenetz als Ganzes in den Blick nimmt und darauf zielt, die zeitaufwändige Umstellung bestehender Netze auf erneuerbare Energien und Abwärme und den Neubau vorwiegend erneuerbar gespeister Netze zu unterstützen.

Staatliche Zuschüsse gibt es, wenn Kommunen ein Nahwärmenetz mit hohen Anteilen an erneuerbaren Energien im Neubaugebiet errichten. Förderungen erhält ebenfalls, wer bestehende Fernwärmenetze auf erneuerbare Energien und Abwärme umrüstet.[4]

Der systemische Ansatz wird durch geförderte Einzelmaßnahmen sowie eine Betriebskostenförderung für bestimmte Wärmepumpenanlagen ergänzt. 

 


[4] BAFA - Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW)

 

Klimaschutz in Kommunen: Was ist noch möglich?

Es gibt viele Beispiele für Klimaschutzmaßnahmen in Kommunen in Deutschland. Die Wärmeversorgung ist nur eine – umfassende und wirkungsvolle – Maßnahme dabei. Weitere Beispiele sind:

  • Förderung von erneuerbaren Energien zur Stromproduktion: Viele Kommunen unterstützen die Entwicklung und den Bau von Solar- und Windkraftanlagen, um den Einsatz von fossilen Brennstoffen zu reduzieren.
  • Förderung des Öffentlichen Nahverkehrs: Der Ausbau von Bus- und Bahnnetzen sowie die Schaffung von Fahrradwegen erleichtern den Verzicht auf das  Auto. 
  • Energieeffizienzmaßnahmen: Energiesparende Maßnahmen in öffentlichen Gebäuden, wie beispielsweise LED-Beleuchtung und Wärmedämmung, reduzieren den Energieverbrauch.
  • Anpflanzung von Bäumen und Grünflächen: Bessere Stadtluft, frischere Luft und Anpassung an den Klimawandel.
  • Bildung und Sensibilisierung: Kampagnen informieren die Bevölkerung über die Auswirkungen des Klimawandels und die Notwendigkeit von Klimaschutzmaßnahmen.

Klimaschutz in der Kommune muss ganzheitlich gedacht werden, damit er ein schlüssiges Gesamtkonzept ergibt. Dabei gilt es besonders darauf zu achten, nicht nur einzelne Bereiche zu verpflichten und andere auszusparen, beispielsweise ein kommunales Förderprogramm für die Gebäudesanierung für Privathaushalte aufzulegen und gleichzeitig kohlebetriebene Fernwärmesysteme zu betreiben. Nur die ressortübergreifende Verknüpfung führt zum Ziel.

Unsere Unterstützung für Kommunen: Software für einen kommunalen Wärmeplan

Damit Kommunen diese Anforderungen einfacher umsetzen können, bedarf es eines ausgefeilten Projektmanagements. Softwareprogramme wie das unseres Partners ENEKA können hierbei eine Lösung sein. Wir unterstützen Sie bei der Anwendung dieser Digitalisierungslösung. 
Das Energieplanungssystem bietet kommunalen Akteuren ein digitales Fachwerkzeug, mit dem sie Kosten sparen und Vorgänge beschleunigen können. Eine fundierte Datenerhebung, Bestandsaufnahmen inkl. Versorgung, Bedarfsermittlung, Potenzialanalyse bilden die Grundlage für einen Kommunalen Wärmeplan. Die Software unterstützt weiterhin bei der energetischen Stadtentwicklung, beim Monitoring und der Bilanzierung sowie bei der Fördermittel-Akquise. Auch Berichte können damit einfacher erstellt werden.